Gründung 1926/1927

Es war im Jahre 1926. Sechs junge Panzendorfer Burschen spielten bei der Musikkapelle Sillian. Eine kleine Unstimmigkeit im dortigen Verein brachte sie auf den Gedanken, in der eigenen, wenn auch nur 400 Einwohner zählenden Gemeinde, eine Musikkapelle zu gründen. Sie wussten, wie schwierig dieses Vorhaben sein wird.

Nach kurzer Zeit waren es 25 Burschen, die mit großer Begeisterung und Zuversicht mitmachten und nur ein Ziel kannten – einen Klangkörper zu erstellen und Musik in der eigenen Gemeinde zu machen, obwohl einige davon noch nie mit Blasmusik zu tun hatten. Es waren nur vier Musiker, die Notenkenntnisse hatten! Trotzdem traten sie aber voll und ganz für die Sache ein und schon nach kurzer Zeit wurde ein Ausschuss gebildet, welcher Anton Weber, der schon damals die Kapellmeisterprüfung in Rotholz mit sehr gutem Erfolg abgelegt hatte, zum Kapellmeister wählte.

Nun war aber die Anschaffung der Musikinstrumente notwendig. Alle Kameraden gingen von Haus zu Haus, um einige Schillinge zum Ankauf der Instrumente für die Musik zu bitten. Geld war damals aber fast nicht vorhanden, daher bekamen sie von den Bauern Bäume. Und so marschierten die Burschen mit Säge und Hacke in den Wald, um die geschenkten Bäume zu schlagen und das Holz zur Säge zu bringen. Es brauchte noch viel Anstrengung, um es zu Geld zu machen. Wochen und Monate vergingen bis ein Erlös ersichtlich war. Selbstverständlich wurde die ganze Arbeit gratis verrichtet. Es gab sicher auch einige Musikanten, die aus eigener Tasche noch ein paar Schillinge dazulegten.

Endlich war es so weit. Die Instrumente konnten bestellt werden. In der Zwischenzeit gab es viel zu tun: Noten lernen, organisieren, Probelokal auftreiben und anderes. Bald kam die Nachricht vom Bahnhof Sillian, dass die Instrumente zum Abholen bereit sind. Eine erfreuliche Nachricht für die damaligen Musikanten, die sofort mit Ross und Wagen zur Stelle waren und die Instrumente nach Hause brachten.

Danach kam die große Aufgabe die Instrumente zu verteilen, wobei größtes Augenmerk auf die Eignung einzelner Kollegen zu legen war. Nun begann das praktische Proben: Griffe und Noten lesen wurden gelernt. Es gab damals noch kein Probelokal, vielmehr durften die Musikanten in der „Weber Stube“ ihre Proben abhalten. Es wurde ein ganzes Jahr lang praktisch jeden Tag geübt. Für Anton Weber war dies natürlich zu viel und so wurden Johann Müller und Sepp Weber zu Helfern bestimmt. An Wochentagen wurde einzeln musiziert, Sonntag war Gesamtprobe.

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So verging ein Jahr und am 1. Mai 1928 kündigte die Kapelle den Tag der Arbeit an. Beim Eilerbauern angefangen, marschierte die Kapelle mit Marschmusik durch das Dorf bis zum Oberthaler („Brückenwirt“). Es war ergreifend. Die Leute kamen aus den Häusern und freuten sich die Kapelle der eigenen Gemeinde zu hören.

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Nach anfänglichem Sträuben durfte die Musikkapelle Panzendorf dann doch bei der Fronleichnamsprozession 1928 in Sillian mitwirken, da Panzendorf ja zur Pfarre Sillian gehört. Schon damals gab es viele Freunde und Gönner, die der guten Musik große Aufmerksamkeit schenkten. Zwei Marketenderinnen, Mena Resinger und Antonia Oberthaler, die der Kapelle durch sehr viel Mühe und Fleiß einiges einbrachten, marschierten bereits von Anfang an mit.

Als jüngste Kapelle wurde sie in den Tiroler Blasmuikverband aufgenommen. So ging die erste weitere Fahrt nach Matrei i. O., wo der Musik auf Grund ihres guten Spiels bereits große Beachtung geschenkt wurde. Anlässlich einer Reise nach St. Veit a. d. Glan machte die Kapelle in Villach Halt und konzertierte im Bürgerbräu vier Stunden lang! Dabei wurden Ouvertüren zum Vortrag gebracht, die heute in die Oberstufe fallen würden.

Als jüngster Dirigent Tirols zeigte sich damals Sepp Weber, der die Musikkapelle in guten Ruf brachte und großen Beifall bei Musikfesten in Matrei, Assling, Außervillgraten, Abfaltersbach und anderen Orten erntete.

Doch etwas fehlte noch: eine gemeinsame Uniform bzw. Tracht. Und so ging das Bitten um eine kleine Spende erneut an. Die Musikanten gingen wieder von Haus zu Haus und brachten einen ganz schönen Betrag zusammen. Nun konnte endlich eine eigene Tracht angeschafft werden. Die Lederhosen wurden in Innichen beim Mitterhofer und die Röcke so wie Leibchen und Hosenträger beim Schneidermeister Klammer in Sillian bestellt. Sepp Weber und andere Kollegen gingen die Berge und Dörfer ab, um Gurten zu sammeln bzw. günstig zu kaufen. Sie hatten viel Erfolg dabei und so marschierten sie 1930 schön uniformiert durchs Dorf.

Für den Kauf des notwendigen Notenmaterials reichte aber das Geld nicht mehr aus. Daraufhin opferte Josef Müller, Weberbauer, Tage und Nächte um das gesamte Notenmaterial in perfekter Weise um Gotteslohn für seine geliebte Musik zu schreiben.

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